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In den letzten 50 Jahren hat das finnische Wort Sauna in viele Sprachen Eingang gefunden. Auch in Deutschland erfreut sich das Saunieren zunehmender Beliebtheit.
Man sollte allerdings folgendes nicht übersehen: Im Gegensatz zu Finnland, wo das Saunabaden mit 1,7 Millionen Saunas bei knapp 5 Millionen Einwohnern zur Familientradition gehört und für jeden Finnen seit frühester Kindheit (praktisch seit den ersten Lebenstagen) eine selbstverständliche Lebensgewohnheit ist, bedeutet das Saunabaden für die meisten Deutschen etwas Neues und Ungewohntes. Dieses gilt für 90% unserer Bevölkerung.
Die Eigentümlichkeiten dieser Badeform, nämlich ihre ungewohnten Temperaturen und die Temperaturwechsel oder vielleicht auch der Aspekt, dass man sich unbekleidet in der Sauna aufhält, erregen bei den meisten „Neulingen“ erst einmal Argwohn und Sorge. Es wird oft angenommen, dass Sauna unverträglich und überlastend sein könne, zumal, wenn man es in der Kindheit nicht kennen gelernt hat.
Wir möchten Ihnen deshalb mit diesen Informationen wichtige ausführliche Erläuterungen zu diesem Thema geben.
Zur Geschichte
Wahrscheinlich hat das schon Jahrtausende alte Kulturgut seine Ursprünge in Asien und bei den Ureinwohnern Amerikas.
Das Prinzip ist denkbar einfach: es besteht in dem Wechsel von gezieltem Aufheizen und Abkühlen des Körpers. Der menschliche Körper ist stets bemüht, seine ca. 37° C Körpertemperatur zu halten. Bei der Erhitzung reagiert der Körper mit Schweissabsonderung und Erweiterung der Blutgefässe; das Herz schlägt schneller und die Fliessgeschwindigkeit des Blutes wird erhöht. Bei der anschliessenden Abkühlung durch kühles oder kaltes Wasser (Abkühlung an der Luft, Bad im See, Abkühlbecken, Wasserschlauch) werden die Blutgefässe wieder verengt und die Normaltemperatur wird schnell wieder hergestellt.
Positive Eigenschaften der Sauna
- Allgemeine körperliche Abhärtung
- Anregung des Herz- Kreislaufsystems
- Entschlackung
- Psychische und körperliche Entspannung
- Vorbeugung, Linderung oder Behandlung von Erkrankungen der Atemwege (z.B. Infektanfälligkeit, Asthma )
- Anregung des Hormonsystems
- Verbesserung der Elastizität des Bindegewebes und der Muskulatur
- Positive Wirkung auf die Haut und Schweißbildung
Krankheiten, bei denen Sauna nicht oder nur nach Absprache mit dem Arzt erfolgen darf (Gegenanzeigen)
- Fieberzustände verschiedener Ursache
- Bluthochdruck mit Beteiligung der Niere
- Entgleisung bei Herz- und Kreislaufkrankheiten
- Entzündungen innerer Organe, auch am Herzen und an Blutgefäßen
- Krebserkrankungen
- Krampfleiden (Epilepsie)
- Nicht ausgeheilte Lungentuberkulose
- Schwere Erkrankungen der Leber und Nieren
- Ausgeprägte Durchblutungsstörungen des Gehirns
Sauna und Lebensalter
Kindesalter
Finnische Untersuchungen an Säuglingen im Alter von 3 Tagen bis 11 Monate bewies die grundsätzliche Verträglichkeit selbst in diesem Alter. Trotz der relativ grösseren Oberfläche der kleinen Körper besteht eine gute Toleranz von Temperaturen von 70 – 100 ° C über 15 Minuten. Kinder haben von Geburt an die gleiche Anzahl Schweissdrüsen wie ein Erwachsener und dadurch eine relativ bessere Wärmeabwehr. Die Anpassung im Blutkreislauf ist optimal, da der kindliche Kreislauf besonders elastisch reagiert.
Wichtige Gründe, Klein- und Schulkinder regelmässig Saunabaden zu lassen, sind Abhärtung gegen die Neigung zu Infekten, Ausgleich bei Reizüberflutung mit Nervosität, Konzentrationsschwäche und manchmal Schlafstörungen.
Erwachsenenalter
Wenn Krankheiten nicht hindern, gibt es für das Saunabaden keine Altersbegrenzung. Das gilt auf jeden Fall für die Fortsetzung einer lange bestehenden Saunagewohnheit.
Hat ein Mensch das 60. Lebensjahr überschritten, und es besteht keine der oben genannten Gegenanzeigen, ist gegen das Beginnen des Saunabadens auch noch in diesem Alter nichts einzuwenden.
Ist das 70. Lebensjahr überschritten, würden wir davon abraten, noch mit dem Saunabaden zu beginnen. Sollte allerdings doch der Wunsch bestehen, sollte das vorher unbedingt mit dem Arzt besprochen werden.
Sauna und Immunsystem
Saunabaden wirkt sich besonders günstig auf Erkrankungen der Atemwege aus. Dazu zählt zum einen die sehr häufige Infektanfälligkeit , besonders im Kindesalter, zum anderen chronische Erkrankungen, wie chronische Bronchitis und Asthma bronchiale.
Verschiedene Saunawirkungen kommen diesen Menschen zugute:
- Temperatursteigerung und Mehrdurchblutung der Schleimhäute im Bereich der Atemwege
- Entspannung der Atemmuskulatur
- Erweiterung und Entkrampfung der Bronchialmuskeln
- Vermehrte Bildung von Sekret in den Schleimhäuten und damit Zunahme der Bildung von Immunglobulinen (= im Körper gebildete Eiweissstoffe, die u.a. eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Keimen spielen).
- Der letzte Punkt führt bei regelmässigem Saunabaden ( 1x / Woche ) zu einer Verminderung der Infekthäufigkeit (bezogen auf durch Viren ausgelöste Erkältungskrankheiten) um die Hälfte. Dieses wurde durch grosse weltweite Studien wissenschaftlich belegt.
Bei Asthmatikern kommt es je nach Art und Schweregrad des Asthmas zu einer Verminderung der Anfälle, zum Teil wurde sogar weitgehende Anfallsfreiheit beobachtet.
Dabei muss der Asthmatiker ohne Vorbehalte (also vorbereitet) an das Saunaklima herangehen und vielleicht „schlechte Erfahrungen“ mit Schwülebedingungen vergessen.
Ablauf des Saunabades
- Zu Beginn muss die gesamte Kleidung abgelegt werden, damit die heisse Luft und Wärme- strahlung ungehindert die Haut erreichen und das Wasser aus dem Schweiß frei abdampfen kann.
- Danach sollte man auf die Toilette gehen und die Blase entleeren.
- Anschliessend wird gründlich geduscht. Danach gut abtrocknen (da trockene Haut unter Wärmeeinwirkung schneller Schweiss bildet).
- Der besorgte Anfänger kann auch das Gesicht kalt befeuchten bzw. können Kinder auch dem Duschen unabgetrocknet in die Sauna gehen, um das Hitzegefühl zu vermindern.
- Als „Saunaanfänger“ sollte man auf die unterste Liege setzen, bei Bedürfnis nach grösserer Hitze kann man nach ca. 5 Minuten nach oben wechseln.
- Man kann sich auch auf die zweite Bank (von drei) legen, um sich nach 5-6 Minuten aufzurichten.
- Um den Körper ausreichend aufzuwärmen, ist ein Aufenthalt von mindestens 8 Minuten (max. 15 Min.) erforderlich und auch unschädlich.
- Bei Unwohlsein verlässt man die Sauna sofort.
- Zur Kreislaufanpassung raten wir dringend dazu, sich vor dem Verlassen der Sauna erst noch 1 –2 Minuten aufzusetzen. Danach langsam von der Bank herabsteigen und hinausgehen.
- Es schliesst sich jetzt die Abkühlphase an. Sie beginnt, wenn möglich, mit einem Luftbad (vielleicht, nachdem man ganz kurz den Schweiss abgespült hat). Auch im Winter kann man dieses Luftbad durchaus bei Minusgraden durchführen. Dieses Luftbad sollte abhängig von der Aussentemperatur nicht länger als 5 Minuten dauern. Sollte man frieren, muss das Luftbad unterbleiben.
- Danach duscht man den Schweiss mit angenehmer Temperatur unter der Dusche ab (lauwarm), dann kann man nach persönlichem Empfinden die Temperatur herunterregulieren.
- Benutzt man das Tauchbecken, nie mit dem Kopf unter Wasser.
- Anschliessende Ruhephase von 20 ( - 30) Minuten, möglichst in einem Ruheraum im Liegen gut zugedeckt verbringen.
- Den Wechsel von Wärme und Abkühlung, also einen Saunagang, wiederholt man in der Regel ein zweites bzw. drittes Mal.
Allgemeine Hinweise
- Planen Sie mindestens 2 ½ bis 3 Stunden für den Saunabesuch ein.
- Nicht länger als 15 Minuten pro Saunagang.
- Keine grossen Mahlzeiten vor und nach dem Saunagang.
- Vermeiden Sie körperliche Anstrengungen während des Saunabades.
- Es muss ein ausgewogenes Verhältnis von Aufwärm- und Abkühlphasen des Körpers eingehalten werden.
- Trinken Sie reichlich Flüssigkeit, am besten Mineralwasser. Auch Obst oder Gemüse kann in den Ruhephasen gegessen werden.
- Keine Aufgüsse mit ätherischen Ölen in der Sauna, weil es zunehmend mehr Allergiker gibt, die auf die Substanzen reagieren.
- Achten Sie bitte auf hygienische Verhalten. Dazu zählt das bereits erwähnte gründliche Duschen zu Beginn des Saunabadens.
- Vor dem Duschen sollte idealerweise noch die Toilette aufgesucht werden. Wer zwischen den Saunagängen einmal das Bedürfnis verspürt, zur Toilette gehen zu müssen, sollte auch dann wieder an die Reinigung des Intimbereiches denken.
- Sie benötigen mindestens pro Person 2 Handtücher, eins davon zum normalen Abtrocknen nach dem Duschen und das 2.Handtuch zum Draufliegen (oder –setzen) innerhalb der Sauna. Der Körperschweiss soll nicht mit dem Holz in Kontakt kommen.
- Wer sehr stark schwitzt, sollte ein Ersatzhandtuch dabei haben, denn keiner mag sich gerne auf eine feuchte Saunabank setzen.
- Sie sollten auf jeden Fall, genauso wie im Schwimmbad, Badelatschen in der Sauna benutzen, um Pilzinfektionen an den Füssen zu verhindern. Diese werden vor der Saunakabine ausgezogen, um keinen Schmutz auf die Holzbänke zu tragen.
- Wünschenswert ist es, mindestens 1x / Woche in die Sauna zu gehen (das ganze Jahr über). Wenn sich die Gelegenheit ergibt, darf man auch öfter, bis zu 1x täglich.
Ergänzend noch einige Informationen zur: Dampfsauna
Viele Menschen empfinden den Aufenthalt in Dampfbädern angenehmer und weniger anstrengend, als in der Sauna mit Temperaturen von 70 bis 95 °C. Wem also diese „klassische Sauna“ Probleme macht, für den ist die Dampfsauna eine wohltuende genauso gesunde Alternative.
Die Temperaturen liegen bei 40 bis 60°C, die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 100%.
Das Prinzip des Dampf- oder Nebelbades war und ist über die Jahrtausende und über die Kontinente hinweg das Gleiche: Es wird Wasser auf heiße oder glühende Steine gegossen und so entsteht je nach Intensität und Temperatur unsichtbarer Wasserdampf oder dichter Nebel.
Adressen
Deutscher Saunabund e.V.
Kavalleriestraße 9
33602 Bielefeld
Tel. 0521/966790
FAX 0521/96679-19
Literaturhinweise
► Sauna. Entspannung und Gesundheit. Rolf-Andreas Pieper, Falken-Verlag 1998,
ISBN: 3635601837
► Alles über Sauna. Jürgen Haake. Taschenbuch Langenscheidt
ISBN: 3581664062
► Gesund schwitzen in der Sauna. Reinhold Dey, Südwest München 1998,
ISBN: 3517076767
► Lust auf Sauna, Ulrike Novotny, TRIAS Stuttgart, 1999
ISBN: 3893735267
► Sauna – das heiße Vergnügen, Andreas Brinckmann, Rowohlt-Verlag, 2000
ISBN: 3499607182
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